Mein Drang zur Fliegerei


Es war so etwa um das Jahr 1990, als ich meinen ersten Schulungsflug in einem Segelflugzeug machen durfte. Über fliegerische Eindrücke brauche ich ja hier nicht viel zu erzählen, da sie sich jeder an einem Sportflugplatz gegen Gebühr selbst holen kann.

Nennen möchte ich jedoch das besondere Gefühl des Vertrauens, als nach ein paar Stunden im Segler mein damaliger Fluglehrer regelmäßig sein Nickerchen im Sitz hinter mir machte.

Unvergesslich bleibt mir ein Flug mit dem Motorsegler, wo wir über freiem Feld steil nach oben gezogen haben, anschließend fast im Sturzflug runter und das Ganze mehrmals wiederholt. Die Flugbahn kann man sich ähnlich dem Ausschlag eines Oszillographen vorstellen. Eine richtige Magenkur, empfehlenswert nach einem guten Essen!

Mein Mitflug als Copilot zur ILA (Internationale Luftfahrtausstellung) in Friedrichshaven war insofern begeisternd für mich, da wir im Anflug auf "Holding-Position" sehr dicht zwischen Flugzeugen verschiedenster Art und Größe im Pulk kreisten. Es war anstrengend und faszinierend zugleich.

Neben den Segler- und Motorseglerscheinen hat mich die Neugierde auch zum damals noch sehr jungfernlichen Gleitschirmfliegen gebracht. Eine zwar gewöhnungsbedürftige, aber doch sehr adrenalinhaltige Art der Luftfahrt. Selbstverständlich bleiben auch hier Erinnerungen an wunderbare Flugerlebnisse.

Kurz vor den Prüfungen für Segler, Motorsegler und Gleitschirm kam der seelische Druck der Scheidung und verhinderte die Vollendung meiner Flugscheine. Nachdem ich dann alles überwunden hatte, konnte ich damals nur noch die Gleitschirmzulassung für Österreich absolvieren. Das Geld war zu dieser Zeit sehr knapp bei mir. Später überkam mich dann mein chronisches Herzleiden, was mir sowieso die echte Fliegerei für alle Zeit verbietet. So glaubte ich zumindest damals. Aber es kam Gott zum Dank anders. Doch der Reihe nach:

Zwischenzeitlich versuchte ich mich mit ferngesteuerten Flugzeugen. Sehr anspannend übrigens, da im Gegenanflug bzw. Landeanflug das Modell von vorne zu sehen ist und somit die Steuerbewegungen verdreht sind (links = rechts und umgekehrt). Wetterlage, Zeit und sonstiger Nebenaufwand brachten mich jedoch wieder von diesem Hobby ab.


Weitaus interessanter sind da diese „lightwight“-Indoor-Hubschrauber, die man tatsächlich in jedem Wohnzimmer schwirren lassen kann. Eine kleine Anekdote hierzu in der Rubrik Erzählungen. Mehr Infos dazu und warum gerade diese Sparte der RC-Fliegerei so viel Freude und Abwechslung bietet, steht hier in der Unterrubrik "Micro-Helis".

So befriedige ich jetzt meinen Drang zur Luftfahrt mit Flügen am Microsoft-Flugsimulator, dessen Darstellung und Funktionen übrigens sehr realistisch sind. Man spürt die Reize des Segelfliegens, die Gemütlichkeit des Motorsegelns und die Realität des Motorflugs. Anfänglich hetzte ich im Tiefflug oder mit einigen Kunstflugfiguren die Kampfjets aus meiner Luftwaffenzeit. Angefangen bei der F-104 „Starfighter“ über die F-4 „Phantom“ bis zum „Tornado“.

Mit der Zeit wurde mir diese Art des simulierten Flugs zu eintönig und das Wissen um das Steuern eines Drehflüglers reizte mich ebenso. Nach vielen Fehlstarts und eierndem Flugweg folgte die Beherrschung des ersten Hubschraubers und danach die Erfahrung, dass ich damit die Bodenszenerien (Landschaft) des Flugsimulators sehr genüsslich im langsamen Tiefflug erkunden kann und auch auf kleineren Plätzen eine Landemöglichkeit für mich ist.

Nun lässt sich ja die Flugbegeisterung und das Motorradfahren insofern sehr gut miteinander verbinden, in dem man per Motorrad zu Flugtagen fährt. Klaudia lässt sich auch gerne von Flugschauen jeglicher Art begeistern und ist sehr gerne mit dabei. So findet man uns des Öfteren am Modellflugveranstaltungen und natürlich Flugtagen mit echten Flugzeugen.

So kam es, wie es irgendwann kommen mußte: Es war am jährlich stattfindenden Flugtag des Eichstätter Fliegerclubs 2016, als ich es wirklich nicht mehr ausgehalten habe und endlich wieder in die Luft musste. Laut kardiolog. Befunden hatte sich mein Herz wieder deutlich erholt und ich wagte es eigenverantwortlich, einen Mitflug im Motorsegler zu riskieren. Der Flug verlief problemlos, bis auf die Glückstränen, die mir zugegebener Maßen in die Augen kamen.



Die Flugsucht war somit, wie vorauszusehen, natürlich wieder vollständig in mir ausgebrochen und ich suchte eine Lösung, diese Sucht möglichst effektiv zu pflegen. Wenige Wochen danach suchte ich Kontakt zur Flugsportgruppe der WTD 61 in Manching. Der Flugplatz war mir aus meiner Militärzeit hinreichend bekannt, da ich ihn damals aus dienstl. Gründen oft betreten musste. Es ist für mich der am Besten geeignete Platz, da ich von daheim aus nur wenige km Anfahrt habe, nach Arbeitsende sowieso gleich in der Nähe bin und wieder Kontakt zur Luftwaffe habe. Ich wurde dort noch im selben Jahr passives Mitglied.

Auch bei meinem alten Segelflugverein in Pfaffenhofen a. d. Ilm lasse ich mich ab und zu wieder sehen.
Nun war es ja fast zu erwarten, dass durch Träumerei wieder die alten Erinnerungen an den Gleitschirm wach gerüttelt wurden. Also sog ich wichtige und brauchbare Informationen aus dem Internet in mich hinein, versuchte Kontakte zu Gleitschirmschulen zu knüpfen und im Herbst 2016 war der Entschluß unwiderruflich fest verankert: Ich lerne wieder das Fliegen mit dem Gleitschirm! Es hatte sich im Vergleich zu damals in diesem Sektor viel getan! Die Ausbildung wurde deutlich anspruchsvoller, die Voraussetzungen dafür allerdings teilweise gelockert und die Fliegerei mit dem Tuch durch techn. Fortschritt an und für sich bedeutend sicherer.

Randbemerkung:
Übrigens bin ich ein totaler Anhänger der Bell UH-1D, die leider aus der Bundeswehr Ende 2012 ausgemustert wurde und deshalb so gut wie gar nicht mehr zu sehen, vor Allem aber zu hören ist.